Die Familie Murr siedelt Anfang August 2008 um nach Kairo

Zur Vorgeschichte: Die Wirtschaftsflucht

 

Durch verschiedene Entwicklungen und Lebensentscheidungen bin ich seit 2006 Zwangsselbstständig. Das ist der einzige Ausweg in Deutschland als Arbeitnehmer jenseits der Fünfzig. Die Konsequenz war eine Selbstständigkeit in meiner Kernkompetenz Unimog. Mit hohem, handwerklichem Anspruch und lausigen, kaufmännischen Fähigkeiten entwickelte sich UNIMURR zwar sehr positiv für Ruhm und Ehre, in Bezug auf die  Euros aber eher bescheiden.Meine Frau, eine diplomierte Biologin, hat in diesem Lande nach zehnjähriger Kinderpause mit drei grossgezogenen Kindern beruflich keine Chance mehr.Alternativ hat sie sich als Lehrerin für Biologie und Chemie im Quereinstieg versucht an einem Privatgymnasium mit einem  patriarchischem Schulleiter, grossem Erfolg bei den Schülern und einer unanständigen Entlohnung.

Im Laufe der Bemühungen um eine berufliche Verbesserung und der daraus resultierenden, zahlreichen Bewerbungen tauchte auch ein Angebot der deutschen evangelischen Oberschule Kairo im Jahre 2007 auf.
Das Bewerbungsgespräch verlief positiv, eine Anstellung scheiterte an der fehlenden Lehrerfahrung.
Im Frühjahr 2008 wiederholte sich das Prozedere mit einem noch positiveren Gespräch mit den verantwortlichen Schulleitern, da inzwischen meine Frau auf eine zweijährige, vom bayrischen Kultusministerium anerkannte Lehrbefugnis zurück greifen konnte.
Das Rennen machte leider eine Biologielehrerin mit zweitem Staatsexamen. Diese Dame entschied sich anders und zog über Pfingsten ihre Bewerbung zurück. Da ich den Eindruck hatte, das dass Kollegium in Kairo meine Frau Petra wollte, war nun der Weg frei.
Als abenteuerlustige Familie brauchte es keine lange Überredungskunst für unsere Zusage. Am 5. Juni unterzeichnete Petra den Vertrag und stellte die Weichen der Familie Murr in eine ungewisse Zukunft. Mein wichtigstes Anliegen, die schulische Entwicklung meiner Kinder, scheint gewährleistet. Die Schule unterrichtet in Deutsch nach dem Lehrplan von Baden- Württemberg
Als wüstensüchtiger Saharien habe ich die Unterzeichnung nicht behindert, ganz im Gegenteil. :-)

Es ist in Deutschland leider inzwischen so, dass eine kinderreiche Familie als Normalverdiener alleine nicht mehr zu ernähren ist und bei der kleinsten, beruflichen Unregelmässigkeit ganz schnell finanzielle Schwierigkeiten drohen.

 

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Die Fahrt ins Nirgendwo

 

Im normalem Ablauf werden die Lehrer an der deutschen Oberschule Kairo (DEO) im Frühjahr eingestellt und sie suchen sich in den Pfingstferien eine Wohnung in Kairo. Durch die speziellen Umstände haben wir erst nach Pfingsten erfahren, dass Petra den Job bekommt und hatten somit keine Chance mehr, eine Bleibe in Kairo zu suchen. Also fahren wir als "Heimatlose" Anfang August erst mal nach Ägypten.
Das der ?Unimi? mit nach Ägypten kommt, ist selbstverständlich. Als arbeitender Ausländer darf man in Ägypten ein Fahrzeug für die Dauer des Aufenthalts zollfrei einführen. Nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses muss das Fahrzeug wieder ausgeführt werden.
Das Reisen auf dem Landwege ist inzwischen ein teurer Spass geworden. Die Kosten einer solchen Unternehmung sind exorbitant. Ich habe die beiden möglichen Routen über die Türkei, Syrien und Jordanien oder Tunesien, Libyen detailliert verglichen. Das Rechenexempel ging vor Allem wegen der Dieselpreise zu Gunsten von Tunesien, Libyen aus. Alleine für den Transit durch Libyen muss mit Euro 1000,- gerechnet werden. Ein Trost sind da die Kosten für Diesel von 10 Euro- Cent.
Ich hätte gerne unseren einachsigen Anhänger (Brotkiste) mitgenommen. Der darf aber leider nicht zollfrei eingeführt werden. Also wird der Unimog bepackt wie ein arabischer Esel, um die nötigsten Habseligkeiten dabei zu haben.
Die Fahrt nach Kairo wird etwas stressig, da unsere Fähre am 12.08.2008 in Genua abgeht und wir bereits am 20.08.2008 an der ägyptischen Grenze stehen müssen. Dort wartet auf uns ein Gesandter der DEO ( deutsche evangelische Oberschule), der für uns die Einreise- Formalitäten macht. Nach Einschätzung der DEO hätten wir als Landesfremde keine Chance, das Prozedere des Arbeitsvisums zum meistern. Ich glaube ihnen. Die ägyptische Bürokratie ist neben der indischen und pakistanischen weltweit gefürchtet
Wir werden also am 6. August hier in München unserem, bis dahin hoffentlich leeren Haus, ein letztes Mal einen wehmütigen Blick zuwerfen und dann direkt zum Unimurr- Treffen nach Ferschweiler fahren. Nach der Verabschiedung unserer guten Freunde um das Unimurr- Forum und mit billig getanktem, luxemburgischen Diesel geht es direkt nach Genua zur Anlegestelle der Grandi Navi Veloci, unserer Fährgesellschaft, die uns sicher nach Tunesien schippern wird.

 

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Der Wahnsinn, ein Haus innerhalb von zwei Monaten zu räumen

 

Mit der Entscheidung, nach Kairo umzusiedeln, müssen wir unser gemietetes Haus in München bis zum 6. August räumen.
Das bewohnen wir seit 1994 und es ist das Elternhaus unserer Kinder.
So gehen wir einerseits mit Freude, da die Hütte einfach zu eng wird und andererseits mit nostalgischer Wehmut, da es doch über 14 Jahre unsere Heimat war.
Der Hausstand, der beträchtlich angewachsen ist, wird vorerst in meiner Werkstatt untergestellt.
Nach den ersten dreissig gepackten Umzugskisten schaut es genauso aus, wie vorher. Da wird einem himmelangst.
Vom Sortieren und Ausmisten haben wir uns schnell verabschiedet, da uns die nötige Zeit dazu fehlt. Es wird jetzt nur noch eingepackt in Kisten für "Kairo" oder für "Zuhause"
Sobald wir in Kairo eine Bleibe haben, werde ich nach Hause fliegen und einen 20 Fuss- Container packen mit den Sachen, die wir meinen, in Kairo zu brauchen. Die Kosten zur Verschiffung des Containers spendiert die DEO.
Sehr viel Zeit "frisst" der administrative Aufwand eines solchen Umzugs. Es müssen unglaublich viele Papiere, Amtsgänge, Bankverbindungen und Kleinkram gemanagert werden. Das Ganze natürlich in der zeitlich richtigen Reihenfolge.
Diesen Stress weitgehend von den Kindern und der Familie fernzuhalten, ist eine eherne Aufgabe, die mir nur leidlich gelingt. Gottlob ist die Brut reiseerfahren und sieht das Ganze mit grosser Gelassenheit. Deutlich lockerer als die Eltern.

 

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