Donnerstag, 5. Februar 2009, Waschmaschinen- Garantie auf ägyptisch

 

Unsere neue Wohnung in Maadi ist unmöbliert. Das war auch unser Wunsch, um uns nach unserer Vorstellung einrichten zu können.

Das hat einige Anschaffungen zur Folge. Neben dem üblichen Mobiliar brauchten wir auch sämtliche Haushaltsgeräte wie Kühlschrank, Waschmaschine, Geschirrspüler und noch einiger Kleinkram.

Kühlschrank und Waschmaschine kauften wir bei Carrefour, dem Superduper- Kaufhaus.

Während der Kühlschrank Marke Zanussi tadellos funktionierte, war unsere türkische Waschmaschine nicht zum Waschen zu bewegen.

Damit begann eine lange Leidensgeschichte, die ich euch nicht vorenthalten will.

Alt-Maadi, wo wir inzwischen wohnen, ist ein zwangsberuhigter Stadtteil. Das heißt: LKW und Lieferwagen dürfen erst ab 20:00Uhr Abends Waren anliefern. Bitte fragt nicht: ?Warum denn das? Gerade Abends sollte doch Ruhe sein?, sondern nehmt es wie ich inzwischen als orientalisches Mysterium einfach hin. Glaube ist Hingabe, einer meiner Kernkompetenzen. ;-)

Die Folge aus dieser Regelung war, dass die Geräte Nachts um 23:30 geliefert wurden. Wir schliefen zu dieser Zeit schon tief und fest und waren dementsprechend begeistert.

Am nächsten Nachmittag packte ich die Geräte aus und nahm die Waschmaschine in Betrieb. Transportsicherung entfernen, Wasser anschließen, usw. Nach dem Einschalten folgte die Ernüchterung. Das Teil von der türkischen Firma Beko, in Lizenz in Kairo gebaut, war nicht dazu zu bewegen, etwas Sinnvolles in seiner Eigenschaft als Waschmaschine zu tun. Ich verplemperte den ganzen Abend damit. Also packte ich die Maschine am nächsten Tag wieder ein und Petra wählte die Service-Hotline der Firma Beko in Kairo. Die Nummer ist groß auf einem Aufkleber an der Rückseite der Waschmaschine zu lesen. Eine automatische Ansage schwallte Petra auf Arabisch voll, ohne dass etwas zu verstehen war. Nächster Versuch war der Kundendienst des Kaufhauses Carrefour. Ein verständiger Herr nahm die Reklamation zur Kenntnis und versicherte, dass die Maschine innerhalb von 24 Stunden ausgetauscht werde. Innerhalb von 24 Stunden passierte nichts. Die darauf folgenden 12 Stunden auch nichts. Also wieder anrufen. Ein anderer verständiger Herr nahm die Reklamation zur Kenntnis und versicherte abermals, dass die Maschine innerhalb von 24 Stunden ausgetauscht werde. Auch innerhalb dieser 24 Stunden passierte nichts. Dritter Anlauf: Diesmal nahm eine verständige Dame die Reklamation zur Kenntnis und versicherte, dass die Maschine innerhalb 24 Stunden ausgetauscht werde. Wieder passierte innerhalb dieser 24 Stunden nichts. Am Donnerstag sind wir dann zum Carrefour gefahren und gleich in den Managementbereich gegangen. Eine üppige Dame nahm die Reklamation zur Kenntnis und verwies uns zu einer anderen Dame im Kundendienst- Bereich. Ein Wachmann führte uns lange auf undurchschaubaren Wegen durch die Niederungen des Personalbereichs von Carrefour, bis wir in einer Empfangshalle mit unserem Anliegen von einer weiteren Dame bedient wurden. Sie verschwand erst mal mit unserem Kaufbeleg. Nach langer Wartezeit, die entsprach in etwa meinem Geduldsfaden, tauchte sie wieder auf und versicherte uns glaubhaft, dass noch heute Abend eine neue Waschmaschine geliefert werde. Ich hatte eigentlich die Schnauze voll und wollte mein Geld zurück haben. Weil wir aber mit Kreditkarte bezahlt haben, sei das nicht möglich, hieß es. Nach einer weiteren Viertelstunde Warten war dann Stand der Dinge: Es würde es schon gehen, wir müssten aber lange warten, bis das Geld auf unserer Kreditkarte wieder gutgeschrieben werde. Wir ließen uns also überreden, einen weiteren Versuch, die Waschmaschine auszutauschen, zu wagen. Es kam, wie es kommen musste, die Waschmaschine kam an diesem Abend nicht. Nach dem Frühstück am Freitag versuchte Petra die Dame zurück zu rufen, die uns die Lieferung auf ihre Ehre versprochen hatte. Sie war nicht erreichbar. Bevor wir uns eine weitere Strategie ausdenken konnten, rief ein Herr von Carrefour an und teilte uns mit, dass die Maschine heute um 20.00 Uhr ausgetauscht werde.

Zwischenzeitlich habe ich nach drei Telefonaten mit patzigen und inkompetenten Damen vom Beko Kundendienst, Deutschland eine deutschsprachige Bedienungsanleitung per Mail ergattert. Leider vom falschen Modell. Am Abend fand ich im Internet die richtige, deutschsprachige Bedienungsanleitung. Ich packte die Maschine also wieder aus und versuchte mein Glück erneut. Das Studium dieser Lektüre brachte aber auch keine neuen Erkenntnisse. Das Miststück war nicht zum Laufen zu bewegen. Ich öffnete die Maschine in der Hoffnung, vielleicht einen leicht sichtbaren Defekt zu finden, wie loser Kabelschuh oder Stecker nicht richtig gesteckt.

Ich fand ein Gehäuse aus Stahlblech, wo nicht mehr viel drin ist, außer der Trommel, dem Antriebsmotor, zwei Wasserventilen, einer Druckdose für den Wasserspiegel und eine Abwasserpumpe. Das Ganze wird gesteuert von eine kleinen Elektronik die neben den integrierten Bausteinen noch ein halbes Dutzend Relais darauf hat. Mehr ist da nicht mehr drin. Und die Verarbeitungsqualität löst tiefe Trauer bei einem deutschen Techniker aus.

Ohne etwas gefunden zu haben, schraubte ich das Gruselkabinet wieder zu.

Um 22.30 standen dann die zwei arabischen Herrn, die auch schon mit unglaublicher Ungeschicklichkeit die erste Lieferung erledigten, vor der Tür, um die defekte Waschmaschine abzuholen. Sie versuchten die Waschmaschine wieder einzupacken. Nach verzweifelten 15 Minuten wurde die Maschine unverpackt runter getragen. Eine ungute Vorahnung ließ mich mit runter gehen. Das Gefühl trügte nicht, sie hatten keine neue Maschine dabei. Ich versuchte nun, ihnen mit allen mir zur Kommunikation zur Verfügung stehenden Mitteln bei zu bringen, dass ohne eine neue Waschmaschine die Alte hier bleibt. Da sie nur Arabisch konnten, scheiterte ich kläglich. Erst ein vorbeigehender Passant bot sich als Dolmetscher an und vermittelte den beiden, dass ohne Sicherheit die Maschine nicht aus dem Haus geht. Der Fahrer gab mir schließlich nach einigem hin und her seinen Führerschein als Pfand, was immer das Wert sein mag.

Eine Stunde später waren sie tatsächlich mit eine anderen, verpackten Waschmaschine wieder da. Nach dem sie in den dritten Stuck getragen war, gab ich dem Fahrer leichtsinnigerweise seinen Führerschein zurück und etwas Bakschisch, worauf sich dieser erleichtert verabschiedete und aus dem Staub machte. Als beim darauf folgenden Auspacken ein wenig Wasser aus der Maschine lief, wurde schnell klar, dass das keine neue Waschmaschine ist. Es fehlte auch die vordere Verblendung und ein Gummifuß. Beim Probewaschen tat sie immerhin ihren Job, wie sie sollte. Die Waschmaschine wusch die Wäsche, Hamdulillah. In dieser Nacht lief das gute Stück pausenlos, um den Wäscheberg um den Schutzwäschekorb abzutragen, der sich zwischenzeitlich angesammelt hatte.

Wir verfassten gleich am nächsten Tag eine Mail an Carrefour mit unserer Beschwerde und den Hinweis, dass wir eine gebrauchte Waschmaschine nicht akzeptieren. Das Autoreplay bestätigte den Eingang der Mail und drei Tage lang erfolgte keine Reaktion. Am vierten Tag hatte ich in meinem Postfach die Rückmeldung, das der Empfänger die Mail ungelesen gelöscht hat. Am gleichen Tag rief Petra sichtlicht erbost, wieder beim Carrefour- Kundendienst an. Die Essenz dieses ermüdenden Telefonats war, dass sich der Kundendienst um die Beschaffung der fehlenden Teile kümmern will.

Da die Maschine läuft, sie einigermaßen neu aussieht und ich die Wahrscheinlichkeit gegen Null einschätze, dass wir jemals diese Teile bekommen, werden wir aufgeben und dieses Erlebnis als ägyptisches Lehrgeld abbuchen. Ich habe die fehlenden Teile heute bei dem deutschen Kundendienst der Firma Beko bestellt. Im Sommer können wir die Teile mit nach Ägypten nehmen.

Das nächste Gerät wird bei einem kleinen Händler gekauft, der im Garantiefall zu packen ist.