Freitag, 17. Oktober 2008 Neues aus tausend und einer Nacht

 

Seit Sonntag, dem 12. Oktober 2008 bin ich in Lohn und Brot. Die Schule hat mich als Betreuer der Webseite und zur Unterstützung des IT- Administrators eingestellt. Das ist für uns als Familie natürlich optimal. Die Schule hat sich dankenderweise sehr bemüht, mich unter die Haube zu bringen. Nun muss ich mich bemühen und den Anforderungen gerecht werden. Die WEB- Seite der DEO ist mit dem Content Management System Typo3 erstellt. Das ist Freeware und die ist so mächtig, dass man mit intuitiver Bedienung nicht sehr weit kommt. Da schwitze ich gerade mächtig darüber, um damit klar zu kommen. Ich werde versuchen, meinen Chef davon zu überzeugen, dass eine Schulung die Einarbeitungszeit mächtig verkürzt. Mal sehen, ob meine Argumente fruchten.

 

Gestern habe ich erfahren, was an Steuer für den Unimog auf uns zu kommt. Es wird so um die EP 1300,- mit allen Gebühren kosten. Das sind etwa Euro 175,- . Damit kann ich leben.

Die Zulassung eines Fahrzeuges muss jedes Jahr erneuert werden. Die Erneuerung bekommt man nur, wenn alle im zurückliegenden Jahr aufgelaufenen Strafmandate bezahlt werden.

Das System funktioniert folgendermaßen: Einer der zahlreich herumstehenden Polizisten bemerkt einen Verkehrsverstoß und notiert die Autonummer. Das meldet er der Zulassungsbehörde. Die präsentiert am Tag der Zulassungsverlängerung die mehr oder weniger lange Liste der Verstöße mit der entsprechenden Summe in Egypt Pounts. Das der Verkehrsteilnehmer bei einigen Vergehen nachweislich in Deutschland auf Urlaub war oder strafbare Handlungen in Gegenden passierten, in denen er noch niemals war, darf nicht auf die Goldwaage gelegt werden. Ist die Summe unter EP 1000,-, was in der Regel der Fall ist, empfiehlt es sich, zu zahlen, wenn man weiterhin in Ägypten Autofahren möchte. Ein Einspruch ist nicht vorgesehen. Erfahrungsgemäß orientiert sich die Summe am geschätzten Einkommen des Delinquenten. Bei entgleisten Summen, was manchmal vorkommt, entscheidet das Verhandlungsgeschick über die Endsumme. Einfluss auf die Endsumme hat auch, welcher diensttuende Beamte gerade anwesend ist und mit welcher Befindlichkeit sein Arbeitstag begann. Zulassungsverlängerung im Ramadan stelle ich mir gebührenverschärfend vor. Böse Zungen nennen das dynamische, sozialverträgliche Einkommenszulage für notleidende Staatsbeamte der Zulassungsbehörde. ;-)

Diese variable Gebühren- und Busgeldfestsetzung kann man in allen ägyptischen Behörden beobachten.

 

Meine Studie über Kairos Gehsteige ist etwas ins Stocken geraten, weil sich das Fotografieren als echtes Problem heraus stellt. Es sind ständig ein oder mehrere Passanten im Weg, die missbilligend mein Tun beäugen. Ich bleibe trotzdem dran.

 

In unserem Stadtteil Dokki gibt es mehrere, kleine Supermärkte, die dem europäischen Einkaufsstil nahe kommen und zum Teil ein dünnes, europäisches Warenangebot zu teuren Preisen haben. Da wäre zu nennen Seoudi, Metro und Alfamarket.

Im Unterschied zu Deutschland steht dort meist ein freundlicher Ägypter nach der Kasse, der die eingekaufte Ware in Plastiktüten packt. Unser bevorzugter Supermarkt ist Metro, weil er von uns aus am Nächsten liegt. Dort gibt es als Service home- delivery. Es wird der Einkauf gegen eine Gebühr von 4,00 EP mit einem Minivan die ca. 900m bis zu unserer Haustür gefahren. Heute waren wir bei Seoudi einkaufen. Der hat ein etwas anderes Sortiment. Da der Supermarkt 1,2km entfernt liegt, orderten wir auch hier home- delivery. Es wurde also nach dem Bezahlen unser gefüllter Einkaufswagen von einem Mitarbeiter auf die Straße geschoben. Aber nicht, wie ich dachte, zu einem Minivan des Supermarktes. Der junge Mann schob den Einkaufswagen zu Fuß allen Widrigkeiten zum Trotz durch das belebte Dokki. Es war inzwischen dunkel geworden. Unser Mann vom Supermarkt kämpfte sich mit dem rollenlahmen Einkaufswagen durch miserable Straßen, dichten Verkehr und hupende Autofahrer bis vor unsere Haustür. Das ist Service auf ägyptisch. ;-)

 

Kürzlich waren wir mal wieder in der Pizzeria Rose im Stadtteil Maadi (Sprich "Maädi") zum Essen. Dieses Lokal hat keine Lizenz zum Verkaufen von Alkohol. Kurz nach uns kamen Amerikaner an den Nachbartisch. Die packten, nach dem sie Ihre Bestellung aufgegeben hatten, zwei Flaschen Rotwein aus und tranken diesen genüsslich zur Pasta und zur Pizza.

Ich gebe zu, dass ich bei diesem Anblick lange Zähne bekam, vor meinem Mineralwasser.

Motiviert von diesem einschneidenden Erlebnis suchten Petra und ich ein paar Tage später einen Alkoholladen in der Sharia Dokki, unserer Hauptstraße auf, der uns von Lehrerkollegen schon früher empfohlen wurde.

Dort erwarben wir zwei Flaschen ägyptischen Rotwein und eine Palette Heinecken Dosenbier. Als ich im Regal einen Ozo12 entdeckte, empfahl mir der Verkäufer ein uzoähnliches Gebräu mit dem Namen Zibiba Extra aus dem Lande. Der sei besser, als der Uzo, meinte der Verkäufer. Die erworbenen Drogen verpackte der Verkäufer in schwarze Plastiktüten, mit denen wir schnell nach Hause eilten. Schwarze Plastiktüten gibt es sonst nirgends in Kairo. So waren wir auf dem Nachhauseweg wahrscheinlich gebrandmarkt und jedermann wusste um unser schändliches Tun.

Preislich lag der Wein um die Euro 5,- und der Schnaps kostete Euro 1,50 die 0,6 Literflasche. Nach zwei Dosen Heineckenbier waren Petra und ich uns einig, dass wir lieber unser Becks Alkoholfrei weiter trinken, an das wir uns zwischenzeitlich schon gewöhnt haben. Eine Flasche Wein ist schon vernichtet und die Zweite angebrochen. Der ägyptische Wein besteht hauptsächlich aus Trauben der Sorte Cabernet Sauvignon und schmeckt nicht schlechter, als ein Franzose um die Euro 5,-.

Das ägyptische Gebräu Namens Zibiba Extra schmeckt tatsächlich besser als unser Haus- Uzo.

So kehrte also noch etwas mehr Trinkgenuss in unser ägyptisches Leben und bei dem nächsten Gang in die Pizzeria Rose habe ich auch eine Flasche Wein dabei, um die italienische Kost stilgerecht runter zu spülen.