Heute, am Freitag, 5. März 2010, veranstaltete unsere Schule, die Deutsche Evangelische Oberschule Kairo, wieder den jährlichen Pyramidenlauf. Alle Schüler der Kairoer Deutschen Schulen können mitmachen. Die Lehrer und Angestellten natürlich auch.
Gelaufen wird eine Strecke von 7,5km auf dem Pyramidengelände. Dieses Event hat schon Tradition. Es wird allerdings jedes Jahr schwieriger, die Genehmigung der ägyptischen Behörden zu bekommen, die immer paranoider werden wegen der Sicherheit, was und wem sie immer auch schützen wollen. Die unglaublich vielen Busladungen an Pauschaltouristen währen sicher ein ?lohnendes? Ziel für Attentäter.
Doch zurück zur Veranstaltung:
Zum Pyramidenlauf dürfen die Lehrer mit ihren privaten Fahrzeugen auf das Gelände. So kam ich endlich zum Foto ?Unimi vor den Pyramiden?.
Auf dem Pyramidengelände wehte morgens um 7:30 ein kalter, heftiger Wind.
Das Wetter war bedeckt, aber kein Sandsturm, wie letztes Jahr. Die zahlreichen Läufer kamen mit Schulbussen der DEO der DSP und der Europaschule auf das Gelände. Nach dem die Läufer ihre Zettel zur Kontrolle am Gewand hatten, erfolgte ein etwas chaotischer Start. Sie drehten ihre Runde und jeder bekam am Ende seine Urkunde. Meine Kinder liefen natürlich auch mit. Jeder, der sich in Kairo um die Schulen wichtig wähnt, richtete noch eine Ansprache an die Teilnehmer. Das Event war gegen 11:00 Uhr zu Ende. Als wir das Gelände verließen, war der Touristenrummel schon in vollem Gange. Es standen unglaublich viele Busse auf dem Busparkplatz. Nichts für mich und ich war froh, dass Gelände verlassen zu können.
Ich machte noch schnell ein Paar Fotos und schon waren wir wieder im Getümmel des Stadtverkehrs von Giza.
Das Gelände um die Pyramiden ist großflächig auf etwa acht bis zehn Quadratkilometer eingezäunt. Die sogenannte ?Giza- Mauer?, eine 4m hohe, massive Betonwand mit einem 3m hohen Eisengitter oben drauf, wurde in den Jahren 2002 bis 2004 errichtet.
Die Oasenstraße nach Baharia und Farafra, die früher unmittelbar an den Pyramiden vorbei ging, wurde großräumig verlegt.
Wenn man sich heute auf dem Giza-Gelände aufhält, erkennt man schnell den praktischen und konkreten Zweck dieses Mauerbaus. Die Kamel und Pferdeanbieter haben eine erträgliche Anzahl und das Gelände ist erstaunlich sauber. Private Fahrzeuge dürfen nicht auf das Gelände. Der wild wuchernde Häuserbau in Giza ist ebenfalls gedämmt und bedroht nicht mehr das Pyramidengelände. Als ich 1985 das erste Mal die Pyramiden besichtigte, erlebte ich dort unzumutbare Zustände. Die Einheimischen mit ihren Kamelen und Pferden und die Touristenströme, die von allen Seiten aufs Gelände vordrangen, verursachten Müllhalden, Kloaken von Menschen und Tieren, überall Kamel- und Pferdekot und übelste Belästigung der Touristen durch Händler, Schlepper und Reittier- Anbieter.
Nach dem Massaker von Luxor im November 1997 habe ich Verständnis für dieses Bauwerk. Ein ähnlicher Anschlag an den Pyramiden dürfte durch die akkuraten Kontrollen heute erheblich schwerer auszuführen sein. Er wäre auch wahrscheinlich das endgültige Aus für den Ägyptentourismus.
So war das Prozedere bei der Einfahrt schon bemerkenswert und erinnerte eher an das Betreten eines Hochsicherheitsbereiches.
Es ranken sich viele Verschwörungstheorien um den schnell erbauten Zaun und vermutete Geldgeber für das Bauwerk. Es bietet das Internet zahlreiche und zum Teil unglaubliche Geschichten dazu. Von Aktivitäten der Freimaurer bis unentdeckte Sternentore reicht die Palette.
Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt.
Auf der Heimfahrt vom Pyramidenlauf bot sich uns auf der Nil- Corniche ein grausiges Bild. Am Straßenrand stand ein völlig zerstörtes Auto japanischer oder koreanischer Herkunft. Am Mittelstreifen ein großer Menschenauflauf. Als wir im Stau die Unfallstelle passierten, sahen wir eine arabische Frau laut klagend am Mittelstreifen sitzen mit einem blutüberströmten, toten Jungen von etwa 10 Jahren im Arm. Das hat uns alle schwer berührt. Von den anderen Unfallopfern sahen wir nichts im Vorbeifahren. So wie das Auto aussah, ist da keiner lebend heraus gekommen. Die Nil- Corniche ist eine der gefährlichen Straßen in Kairo, weil dort bei wenig Verkehr hohe Geschwindigkeiten möglich sind. Das verhindert tagsüber meist der dichte, zähflüssige Verkehr. Nachts oder am Freitag, wenn wenig Verkehr ist, wird gerast. Im ägyptischen Verständnis ist der ein guter Autofahrer, der möglichst schnell fährt. Da sehr wenige Fahrer ihr Fahrzeug beherrschen oder überhaupt einen Führerschein besitzen, passieren vor allem in den Zeiten mit wenig Verkehr die grausigsten Unfälle.
Ich fuhr nach diesem Erlebnis deutlich langsamer und sehr nachdenklich weiter. Bei den Ägyptern hinterließ das Erlebte keinen Eindruck. Unmittelbar nach der Unfallstelle wurde beschleunigt und gefahren, was das Auto hergibt. Sie betrifft das ja nicht und außerdem war es Allah?s Wille.
Am Freitag, 26. Februar 2010 hatten wir ab 18:00Uhr ein richtig starkes Gewitter. Zuerst heftiger Wind, dann mittlerer Regen. Nach 5 Minuten Hagel mit bohnengroßen Hagelkörnern. Danach wurde der Regen stärker und es goss bis spät in die Nacht. Da kam das erste Mal, seid wir hier sind richtig Wasser runter. Ungefähr ab 8:00 Uhr brach überall hektisches Treiben aus. Auch bei uns im Haus. Das Wasser lief zu den Fenstern rein, weil die Falze nicht so gemacht sind, dass das Wasser außen abläuft. Der Aufzug hat es auch nicht überlebt. Das Aufzugsgestell ist außen an die Hauswand geschraubt und war voll dem Regen ausgesetzt. Nun ist er tot. Mich stört es nicht. Ich fahre grundsätzlich nicht mit Ägyptischen Aufzügen. Unser Boeb werkelte die halbe Nacht auf dem Dach, damit das Wasser abläuft.
Heute Morgen stand halb Maadi unter Wasser. Die alten schwarz-weißen Taxis fuhren sehr vorsichtig durch die großen Pfützen. Eine Pfütze ist der Alptraum der maroden Zündanlage.
Jedenfalls haben die Blätter der Bäume und Büsche heute Morgen ihre Farbe von einem ungesunden Graugrün in ein saftiges Mittel- bis Hellgrün gewechselt. Es sah richtig schön aus, in Maadi heute Morgen. Dagegen ist unser Unimog unglaublich dreckig. Darauf lief der ganze Dreck von den Bäumen. In Kairo war das gestern ein bemerkenswertes Ereignis.
Samstag, 27. Februar 2010 Die Pfützen sind immer noch nicht weg. Gestern Abend habe ich noch Einiges von unserem Technischen Leiter der Schule erfahren. Zuerst, dass mein Büro im Keller der Schule vollgelaufen ist. Meine Turnschuhe, die unterm Schreibtisch lagen, erwiesen sich als wasserdicht und schwammen oben auf. Bin gespannt, wie mein Büro aussieht, wenn ich Morgen in die Schule komme. Ein Gewitter mit Hagel und so viel Wasser gab es zuletzt 1990. In Down Town muss es noch schlimmer gewesen sein, als in Maadi.
Taxifahren war gestern ganz lustig. Halb Mohanndessin stand noch unter Wasser.
Endlich mal was los in Kairo. ;-))