Salam alaykum, sagte Obama. Friede sei mit dir. Möge Allah das war werden lassen in dieser Region
Durch die heutige Rede von Präsident Obama inspiriert, muss ich auch gleich ein paar Zeilen schreiben.
Da unsere Schule in der Nähe der Kairoer Universität liegt, befand sie sich im Sicherheitsbereich und wir hatten einen schulfreien Tag, weil die Sicherheitsbehörden weite Teile von Dokki abgesperrt hatten. Ich bin sehr gespannt, wie die Stimmung in der Stadt morgen sein wird.
Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus und so konnte man in den letzten zwei Wochen hektische Arbeiten an der Verschönerung des Stadtbildes beobachten. Gehsteige wurden neu gepflastert, Brückengeländer gestrichen, Straßenlaternen erneuert und jede Menge Müll beseitigt. Zumindest für das Stadtbild hatte die Rede Obama?s einen positiven Effekt.
Wir durchleiden gerade die letzten Wochen des Schuljahres. Es konzentrieren sich viele Termine und viel Arbeit zum Notenschluss auf die letzen Wochen. Viele Lehrer und Verwaltungsangestellte sind ausgepowert und sehnen sich nach den Ferien.
Auch ist es inzwischen richtig heiß geworden und leider bei hoher Luftfeuchte. Obwohl Kairo eigentlich in der Wüste liegt, ist durch verschwenderischen Umgang mit Wasser und den Anbau von Reis die Luftfeuchte in Kairo sehr hoch. Von 80% in den Morgenstunden bis 40% am Abend. Durch die immense Luftverschmutzung in Verbindung mit der morgendlichen Luftfeuchte haben wir in Kairo häufig dichten Nebel. Manchmal kann man das andere Nilufer nicht sehen.
Unser Alltag hat sich über das Jahr weitgehend eingespielt und ist über weite Strecken eben Alltag.
An das frühe Aufstehen und den Straßenverkehr werde ich mich zwar nie gewöhnen, wenn gleich ich es mit arabischer Gelassenheit versuche, damit zu leben. Das gelingt je nach Tagesform mehr oder weniger gut. Die letzte Woche eher weniger.
Mit dem Verkehr ist es wie in München. Das Gebaren der Verkehrsteilnehmer hängt stark vom Wetter ab. Morgens um 6:30 ist so wenig Verkehr, dass die Tagesform sich wenig auswirkt. Im Laufe des Vormittags kann ich dann in meinem Büro am Lärmpegel auf der Shari El Dokki, der Hauptstraße bei der Schule ableiten, wie die Heimfahrt werden wird. Das lässt sich ziemlich präzise an der Lautstärke und der Aggressivität des Hupkonzertes vorher sagen.
Auch das Bewegen im Stadtverkehr entspannt sich etwas. Nach neun Monaten Rushhour habe ich die Mentalität gut durchschaut und 90% der unkonventionellen Fahrmanöver meiner ägyptischen Mitstreiter sind im Vorfeld schon durchschaubar. Das nimmt der Sache den Überraschungseffekt und macht das Fahren deutlich risikoloser. Die 120% Konzentration bleibt und anstrengend ist es weiterhin.
Auf der letzten Wüstentour hat der Stoff meine Markise am Unimog aufgegeben und ist der Länge nach durchgerissen. Sieben Jahre UV- Strahlung hat das Airtex- Gewebe nicht verkraftet. So machten wir uns auf nach down town in das Viertel der Zeltmacher. Durch einen guten Tipp kamen wir zu unserm Zeltmacher im alten Basar. Der größte Teil des Kairoer Basars ist außerhalb des touristischen Interesses und damit ein angenehmer Aufenthaltsort. Das Leben läuft dort gelassen und unaufgeregt und keiner kommt auf die Idee, Europäer anzumachen. Die verirren sich auch sicher selten da hin. Der Basar besteht aus kleinen, verwinkelten Gassen, die im Wesentlichen überdacht sind. Es reiht sich ein kleiner Laden an den Andern. Die eigentlichen Werkstätten sind zwar wo anders, die Geschäfte werden aber im Basar abgewickelt. Geparkt haben wir lieber in einer nahe liegenden, größeren Straße. Interessant finde ich schon immer die Konzentration einzelner Sparten auf ein Stadtviertel. Auch hier ist ein Zeltmacher neben dem Anderen und ich frage mich, wie der Konkurrenzkampf da möglich ist. Oder gibt es den vielleicht gar nicht.
Wir bestellten also unsere neue Markise und gaben die Reparatur der Alten in Auftrag.
Nach vier Tagen war unser Auftrag fertig. Bei der Abholung stand der Basar leider unter Wasser, weil ein Wasserrohr geplatzt ist. Das passiert öfters in Kairo durch ein marodes Leitungssystem.
Nun haben wir eine neue Markise aus solider, ägyptischer Baumwolle, natur mit bunten Streifen.
Den Basar werden wir sicher noch öfters aufsuchen.