Der Albtraum eines Tanzkurses ging gottlob in meinen jungen Jahren an mir vorbei. Pubertierende Mädchen sehen das wahrscheinlich anders. Also nahm meine Größte dieses Schuljahr eifrig am Tanzkurs teil, den vier DEO- Lehrer als AG (Arbeitsgemeinschaft) für die zehnten Klassen anbieten.
Wie jeder Tanzkurs endete auch dieser mit einem Abschlussball. In der arabischen Hemisphäre werden solche Events meist opulenter und aufwendiger gefeiert, als in unseren Breiten. Unser Abschlussball fand im feudalen Hotel Mena House Oberoi in Pyramidennähe statt. Ein Prunkpalast, in dem sich der Ortsunkundige hoffnungslos verläuft. Es laufen Allahseidank, genügend Angestellte herum, die man nach dem Ballsaal fragen kann.
Ein solches Event hat natürlich Vorwehen in Form allerlei Investitionen, die die Eltern erbringen müssen. Das fängt an mit Schuhen, High Heels mit 10cm Absatz und endet mit dem Ballkleid für die Dame. Alleine das Ballkleid war ein Drama an sich. Alles käuflich zu Erwerbende an Ballkleidern sprengte das Budget erheblich. Gelöst wurde das Problem mit einem geschneiderten Kleid nach Maß und in gewünschtem Schnitt und Farbe. Der Preis lag unter der Angstschweißschwelle auf der Stirn des Vaters. Petra hatte etwas Ballkleidähnliches, aber ich musste mich auch ausstaffieren. An Abendgarderobe hatte ich natürlich nicht gedacht, als wir nach Kairo gingen. Ich löste das Problem beim ägyptischen Hersteller edler Baumwollkleidung Mobaco. Ein heller Leinenanzug, ein blaues Hemd und die passende Krawatte, und auch der Vater war salonfähig.
Nach dem Erwerb der teuren Eintrittskarten machten wir uns also, Petra, Anni und ich, mit dem Taxi auf zum Abschlussball im Luxushotel.
Natürlich sehe ich solchen Veranstaltungen mit Sorge entgegen. Laut, langweilig, unbequeme Abendgarderobe und ständig Leute, die man begrüßen muss, ist nicht der Wohlfühl- Stoff für des Tanzens unkundige Väter. Meine tanzunkundige Frau erduldet als treusorgende Mutter solche Meilensteine der Pubertät mit stoischer Gelassenheit.
Es war dann doch nicht ganz so schlimm, wie befürchtet. Das Begrüßen hielt sich in Grenzen. Die Abendgarderobe war erstaunlicherweise trotz Krawatte sehr bequem und das Büfett war wirklich exzellent. Ich hätte mich beinahe an paniertem Fisch und Eiersalat überfressen. Laut und Langweilig war nicht ganz zu vermeiden. Vor Allen Laut nicht, aber das ist normal in Ägypten.
So ließen wir das Prozedere über uns ergehen. Ich beschäftigte mich hauptsächlich mit Filmen, so ein Event muss ja gebührend dokumentiert werden. Ärgerte mich über die "rücksichtsvollen" Ägypter, die sich mir mehrmals direkt vor die Kameralinse stellten, um selbst ein Bild zu machen.
Anni war meistens unterwegs, um die große Schwester zu beäugen. "Mama, gib mir deine Brille", hieß es ständig, weil sie ihre Brille mal wieder vergessen hatte. Ein Glück, dass die Mama ähnliche Dioptrinwerte hat.
Die Mädchen des Tanzkurses in teilweise selbst für deutsche Verhältnisse leichter Abendbekleidung waren bis in die Haarspitzen aufgedreht. In ihrer Gesellschaft gibt es solche Anlässe mit Chancen zum zwanglosen Umgang mit den jungen Herrn wenig. Das ist ihnen bewusst und sie nutzen das Event bis zum absoluten Ende. Beim Tanzwettbewerb kamen Rosi und ihr Partner zweimal in die Endauswahl. Zu einem Preis reichte es leider nicht. Nach dem Tanzwettbewerb um halb Eins hatten wir genug und machten uns auf den Heimweg.
Bei der Heimfahrt erlebten wir noch einen typischen Versuch des Touristennepps. Unser Taxifahrer, vom Hotelpersonal geordert, schaltete den Taxameter nicht ein und fuhr einen völlig unnötigen Umweg. Das versuchte er noch zweimal. Dann hatte er kapiert, dass wir keine Touristen sind, sondern Ortskundige. In Maadi angekommen, bekam er den üblichen Tarif für diese Strecke ohne Bakschisch von Petra wortlos in die Hand gedrückt. Mit säuerlichem Gesicht nahm er die 30,- Pfund und trollte sich kommentarlos. Ich möchte nicht wissen, was ein armer, unbedarfter Tourist gezahlt hätte.
So was erlebt man in Kairo wirklich nur an den Touristischen Zentren. Der normale Kairener ist grundehrlich und wir sind nie wirklich übers Ohr gehauen worden.
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