Montag, 13. Oktober 2008 Heute beim Zoll

 

Die zwei Monate der vorläufigen Einfuhr unseres Unimog's in Ägypten sind bald vorbei. Also bin ich heute Morgen um 8:00 Uhr mit unserem Mitarbeiter der DEO für Behördenbelange (weiterhin Herr M genannt) zum Zoll gefahren, um die richtige Einfuhr des Fahrzeugs für die Dauer unseres Aufenthaltes in Ägypten zu erledigen. Das lief auf weiten Strecken ähnlich ab, wie an der ägyptischen Grenze bei der Einreise. Warum das Prozedere zweimal gemacht werden muss, entzieht sich meiner Kenntnis.

Nach einer sehr langen Fahrt in einen nord-östlichen Außenbezirk erreichten wir das Zollgelände. Das entpuppte sich als ein trostloser Hof voll mit Autowracks aller Größenordnungen, die mit einer dicken Patina von Staub und Dreck der dicken Luft Kairo's überzogen waren. Vom PKW bis zum 60t Sattelzug reichte die Palette und von technisch Schrott bis brauchbar. Jedes dieser Wracks könnte wahrscheinlich eine spannende Geschichte erzählen. Auf diesem Hof wurde nun zum wiederholten Mal die Fahrgestellnummer und die Motornummer des Unimog's erfasst. Dazu klebt der Nummernbeauftragte ein selbstklebendes Etikett 80x30mm auf die eingeschlagene Nummer und paust sie mit einem Bleistift ab.

Schon bei der Einreise gab es eine Diskussion, weil der Mercedesmotor keine Motornummer am Motorblock mit Schlagzahlen eingeschlagen hat.

Heute wurde dies zum riesigen Problem. Auch Herr M mit seiner ruhigen, diplomatischen Art konnte das Problem nicht abbiegen. Das serienmäßige Typenschild akzeptierten die Herrn vom Zoll nicht.

Nach langer, ermüdender Diskussion einigten sich Herr M und die Herrn vom Zoll darauf, dass ich die Motornummer in den Zylinderkopf schlagen kann. Die einzige Stelle die überhaupt in Frage kommt, ist die Stirnfläche am Zylinderkopf. Da kommt man leidlich hin, wenn man die Riemenscheibe der Wasserpumpe, die Dieselhauptfilter und den Wasserschlauch vom Thermostat zum Kühler abbaut.

Also holte ich, ziemlich sauer, den Arbeitsanzug raus, packte das Werkzeug aus und begann mit den Demontagearbeiten. Mit den 6mm Schlagzahlen des Zolls verewigte ich die Motor- Endnummer senkrecht am Zylinderkopf. Doch da tauchte schon wieder ein neues Problem auf. Die Motor- Endnummer lautet 619966. Nun monierte der Herr vom Zoll, dass die Nummer auch als 996619 gelesen werden kann, je nachdem, von welcher Seite man anfängt zu lesen. Das Problem konnte Herr M nach weiteren, zermürbend langen Wortwechseln offensichtlich aus der Welt schaffen. Das war auch gut so, denn ich wahr inzwischen kurz davor, das Theater abzubrechen und den Unimog nach München zu bringen. Also konnte ich den Unimog wieder zusammen bauen. Wir verließen darauf hin den Zollhof und parkten ein Stück weiter vor einem umzäunten Gelände mit Wachtürmen an der Ecke. Herr M verschwand für längere Zeit in diesem Anwesen und tauchte mit anderen Herrn vom Zoll wieder auf, um die zahlreichen Detailfragen um die Zulassung zu klären. Von elementarer Bedeutung war, die Wohneinrichtung, der Kühlschrank, wie viel Gänge der Unimog hat, ob Klimaanlagen verbaut sind und ob der Autoradio DVD's abspielen kann.

So gingen 6 Stunden ins Land zwischen dem chaotischen Einschlagen der Motornummer und dem Warten und Beantworten diverser Detailfragen. Dabei stand der Unimog natürlich in der prallen Sonne. Um 14:00 Uhr war das Prozedere endlich vorbei und wir konnten nach Hause fahren. Die neuen, ägyptischen Nummernschilder bekomme ich voraussichtlich übermorgen. Herr M informierte mich auf der Heimfahrt darüber, welche Summe der Zoll für die Einfuhr des Unimog's veranschlagt hat, die ich aber Allah sei Dank, nicht bezahlen muss. 750.000.- EP würde die Einfuhr kosten. Das sind etwa 100.000,- Euro. Dafür bekomme ich einen niegel-nagel-neuen Unimog in Deutschland. Ich enthalte mich eines Kommentars.

Jetzt steht noch die Steuer aus, die ich jährlich bezahlen muss. Man wird sehen.

Ein besonderes Lob gebührt Herrn M, von der DEO, der immer die Ruhe bewahrt und Aussichtsloses bei den Behörden möglich macht. Meinen Respekt, Herr M.

Die Fotos sind leider nicht sehr gut, da ich heimlich fotografieren musste. Das ist auf dem Zollgelände natürlich streng verboten.