Das Mobiltelefon hat das Leben der Menschen in Ägypten massiv verändert. Achtzig Prozent der arbeitenden Bevölkerung in Kairo sind im Dienstleistungsbereich tätig. Gemüseverkäufer, Tagelöhner, Klempner, Altpapiersammler und unendlich viele andere Dienstleistungen. Diese Leute können sich keinen Laden oder ein Büro leisten. Ebenfalls die Millionen Gelegenheitsarbeiter und Migranten aus den Dörfern am Nil, die ihre letzten Pfunde für ein Busticket in die Stadt und ein Mobiltelefon ausgegeben haben. Mobils gibt es neu mit Prepaid- Karte ab EP 100,-. Das sind ganz simple Teile mit SW- Display, mit denen man wirklich nur telefonieren kann. Für diese riesige Bevölkerungsgruppe ohne feste Adresse bietet das Mobile das soziale und wirtschaftliche Netzwerk, in dem sie ihr Leben organisieren. In Kairo gibt es wenig Publikationen über Dienstleister und Firmen aller Art. Was in Deutschland das Branchenbuch und das Internet leisten, passiert in Kairo über die Mund zu Mund-Vermittlung: Natürlich mit dem Mobile.
Das Mobile ist in Kairo allgegenwärtig. Jeder zweite Ägypter auf der Straße telefoniert. Ob beim Autofahren, dem Überqueren der Straße oder bei den sonstigen, mannigfaltigen Tätigkeiten: Das Mobile ist ständig am Ohr. Einen nicht zu verachtenden Vorteil bietet das Kopftuch der islamischen Frauenwelt beim Telefonieren mit dem Mobile. Das schieben die Frauen einfach zwischen Kopftuch und Ohr und haben somit beim Telefonieren beide Hände frei. Freisprecheinrichtung auf Arabisch. Ein echter Nachteil für den Herrn der Schöpfung. Der braucht immer einer Hand für das Mobile. Da ein Araber nicht sprechen kann, ohne gestenreich mit der freien Hand herum zu fuchteln, frage ich mich öfters, wer beim Telefonieren während des Autofahrens dann lenkt. Der bereits unorthodoxe Fahrstil der Ägypter nimmt kuriose Formen an, wenn der Lenker des Autos nebenbei telefoniert. Also jeder zweite Autofahrer.
Heute wahren wir wieder im Kimo- Supermarkt (die Kimo- Hölle) mit amerikanischer Ausrichtung des Warenangebots. Das ist vor allem am Donnerstagnachmittag vor dem freien Freitag ein Erlebnis. Wer glaubt, dass unsere amerikanischen Mitbürger mit gutem Sozialverhalten ein Vorbild geben, irrt gewaltig. Da schieben übergewichtige Damen ihre lbs (amerikanisches Pfund) durch die engen Gänge zwischen den Regalen und räumen mit ihren Rucksäcken den einen oder anderen Artikel vom Regal, wenn sie sich in verschiedene Richtungen drehen. Das ficht sie aber nicht an. Unbeeindruckt setzen sie unter lautem Geplapper mit meist unerträglichem Slang ihren Einkauf fort. Ein Mitarbeiter des Supermarkts läuft hinterher und beseitigt den Kolateralschaden. Mit einem Bodycheck muss man rechnen, wenn man nicht respektvollen Abstand hält. Aber auch die Normalgewichtigen Amis verhalten sich eher rücksichtslos. Von dem meist peinlichen Bekleidungsstil wollen wir noch gar nicht reden.
Einkaufen ist auch deshalb ein Abenteuer, weil die Ägypter eine Kunstfertigkeit entwickelt haben, die Waren so in die Regale einzuräumen, dass man sie entweder nicht heraus bekommt, oder die Ware ist derart eng gestapelt, dass alles rundherum herunter fliegt, sobald mal den gewünschten Artikel nur berührt. Bei Safttüten oder Nudeln kommt da große Freude auf.
Ein kontinuierliches Warenangebot gibt es nicht. Da gibt es z.B. importierten Weichkäse Bresso. Den gibt es dann in allen Supermärkten. Nach einer Woche ist er vergriffen. Dann dauert es einige Wochen und es gibt wieder ein schnell vergriffenes Kontingent. Es räumen die zahlreichen Mitarbeiter ständig den Warenbestand um. Ein Artikel ist nie an derselben Stelle.
An sich bin ich ein Tierfreund. Ich bin mit einem Hund aufgewachsen und hatte in jungen Jahren selbst einen Vierbeiner, 30kg, schwarz und ungezogen.
Meine ursprüngliche Annahme, dass ich in einem islamischen Land vom Hunde- Terror verschon bleibe, erweist sich als Irrtum. Zur Vorgeschichte muss erwähnt werden, dass wir in unserem Häuschen in München 14 Jahre lang dem Gekläffe von zwei Dackeln ausgesetzt waren. Als die se an Altersschwäche starben, legte sich die Besitzerin sofort zwei neue, kläffende Dackel zu. Wir sind also etwas vorgeschädigt mit Hundegebell.
Schon in unserer ersten Wohnung in Dokki direkt hinter der Schule hielt der Hausbesitzer einen bildschönen Hund unter grausigsten Umständen. Der Hund hatte ein Stück garten abgeteilt von etwa 10m². Das war sein Lebensraum. Zu Fressen bekam er die Essensreste. Diese arme Kreatur jaulte häufig die ganze Nacht, dass an Schlaf nicht zu denken war.
In Kairo leben wilde Hunde und Katzen. Durch die Gewohnheit der Ägypter, ihren Hausmüll einfach vor die Türe auf den Gehsteig zu werfen, gibt es Futter mit ständigem Nachschub. Während die Katzen eher unterernährt und jämmerlich aussehen, geht es den Hunden deutlich besser. Die sind durchwegs gut genährt und schauen gesund aus. In Dokki waren die wilden Hunde in Rudeln unterwegs. Die veranstalteten gelegentlich ein Gebell- Konzert. Bevorzugt nachts um drei Uhr.
Mit unserem Umzug in den Villenvorort Maadi waren wir dem Hundeterror erst mal entronnen. Mit den zahlreichen Amerikanern, die am Nachmittag ihre Hunde ?Gassi? führen, konnten wir leben. Zu Weihnachten zog in das Nachbarhaus eine amerikanische Familie mit einem Cockerspaniel ein.
Dieser Köter raubt uns nun so manche Nacht den Schlaf mit seinem hysterischen Gebell. Die Familie ist sehr selten zuhause. Das philippinische Personal wirft den Hund aus der Wohnung in den gefliesten Minigarten, wo er dann hysterische Bellanfälle bekommt. Bisher habe ich öfters mal ohne Erfolg "Schnauze" aus dem Fenster gebrüllt. Als ich es mit "shut up" probierte, war er doch tatsächlich eine halbe Stunde ruhig. Fremdsprachen machen einfach das Leben leichter. ;-)
Seit ein paar Wochen haben wir einen wilden Straßenköter an der Kreuzung, der hier offensichtlich sein Revier auserkoren hat. Auch dieser Vertreter der Gattung Hund, er heißt bei uns "Hinkebein", weil er die rechte Vorderpfote nachzieht, bellt stundenlang bevorzugt nachts. Beide Hunde haben die gleiche Tonhöhe bei ihrem Gebell. Damit sind sie schwer auseinander zu halten. Der Cockerspaniel bellt hysterischer und den Straßenköter erkennt man am Bewegungsradius auf der Straße. Gestern raffte ich mich nach einer halben Stunde Gebell auf, schlüpfte in die Hose und in die Sandalen und machte mich mit einem Stock bewaffnet auf, den Hund zu vertreiben. Ich hatte ihn schon im Halbschlaf als den Straßenköter identifiziert. Als ich aus dem Haus stürmte, stand der Köter mitten auf der Kreuzung und bellte. Die Wachmänner, die ringsherum in der Fünfundachtzigsten und in der Zwanzigsten Straße stehen, kümmerten sich nicht um den Hund und ließen in bellen. Petra meint, dass die Wachmänner Angst vor den Hunden haben.
Als der Köter mich mit dem Stock kommen sah, flüchtete er in das Gebüsch an der Seite unseres Hauses in der zwanzigsten Straße. Ich hinterher mit der festen Absicht, ihm eins überzubraten, damit er die Lust an seinem neuen Revier verliert. Im Gebüsch verlor ich den gelb-grauen Hund in den staubgrauen Blättern bei gelber Straßenbeleuchtung aus den Augen und er entwischte mir. Zumindest war ab da die ganze Nacht Ruhe in der Straße. Die Wächter beobachteten das Treiben ohne sichtbare Regung. Heute bin ich wahrscheinlich das Tagesgespräch: "Habt ihr den verrückten Deutschen gesehen, wie der nachts um drei Uhr wilde Hunde jagt". Ich bin gespannt, wie oft ich noch Hunde in der Nacht jagen muss, bis Ruhe an der Kreuzung herrscht.