Das Schuljahr neigt sich dem Ende zu und jeder an der Schule sehnt die Ferien herbei. Diese beginnen am 20. Juni.
Hier in Maadi ist ein gewisser Alltag eingekehrt. Das Mobiliar wird sehr langsam mehr. Wir knappern aber immer noch an Kosten, die uns die Schule auferlegt hat. Wir zahlen beispielsweise zwar kein Schulgeld, aber dafür durften wir Euro 800,- Einschreibegebühr für unsere drei Kinder bezahlen.
Ein paar Altlasten aus München sind auch noch dabei. Bis wir etwas zurück legen können, wird es wohl Herbst werden.
Der Winter ist endgültig vorbei und der angenehme Frühling bis 30°C hält sich wacker. Es müsste bereits viel heißer sein in Kairo. Wir sind nicht böse drum.
Der Winter war vergleichsweise mild mit minimalen 10°C im Februar. Das wiegt hier aber schwerer, da die Häuser keine Heizung haben und Isolierung hier ein Fremdwort ist. Häuser werden hier gebaut mit einem Gerüst aus Stahlbetonträgern ähnlich einem einfachen Fachwerkhaus. Die Wände dazwischen werden mit einer einfachen Schicht Ziegel von 15cm Dicke zugemauert. Das hält keinerlei Wärme im Haus. Im Sommer hält es leider auch keine Kühle in der Wohnung. Würden die Häuser isoliert werden, wie in Deutschland, bräuchte Ägypten nur halb soviel Strom.
Wir haben also im Winter ziemlich oft gefroren und saßen manchmal mit dickem Pullover und Fleece- Decken auf unserer Sitzgruppe.
Für den nächsten Winter haben wir einen Katadyn- Gasofen erworben. Das ist die billigste und vor Allem geräuschärmste Form der Wärmeerzeugung hier.
Wir haben die Tage unseren Hausstand beträchtlich erweitern können, in dem wir von heimkehrenden Lehrern einiges an Hausrat übernehmen konnten. Da sind mitunter ganz nette Stücke dabei. Die wirklich schönen Möbel nehmen die Lehrer natürlich mit nach Deutschland.
Es scheint sich auch eine gewisse Gelassenheit einzustellen. Ich muss zugeben, dass selbst mich das Gehupe auf Kairos Straßen seltener auf die Palme bringt, als vor einem halben Jahr. Das Fahren im Verkehrsgetümmel läuft jetzt in der Regel entspannt ab. Die skurrilen Manöver vieler Araber hier entlocken mir meistens nur noch ein Schmunzeln.
Seit einiger Zeit bemühe ich mich um eine ausgesucht höfliche Fahrweise, wenn es meine geschundene Autofahrerseele zulässt. Zügig, aber Gentlemanlike sozusagen. Ich ernte dafür sehr viel Freundlichkeit. Nicht von allen Ägyptern, aber von vielen.
Das Eingebunden werden in die Gemeinschaft ist im Villenvorort Maadi sehr viel schwerer, als in unserem ersten Stadtteil Dokki. Waren wir in Dokki nach einem halben Jahr fester Bestandteil des Straßenlebens, ist das in Maadi schwer zu realisieren. In Dokki erledigten wir Einkäufe und Erledigungen zu Fuß. Das machte uns bekannt und weil wir die Leute grüßen, bekamen wir viel Freundlichkeit zurück. Ein interessierter Blick in die Autowerkstatt mit Arbeitsplatz Straße, und schon ist ein Gespräch im Gange, zwar mit Händen und Füßen, aber mit hohem Sympatiewert. Oder ein Ratsch im Gas-Wasser- Sch…-Laden, und jeder im Viertel weiß, dass Petra an der Matrassa Almenia unterrichtet und der Unimog zum Fahren in die Wüste da ist. So bewegten wir uns in Dokki auf unseren Standardwegen mit vielen Begrüßungen und dem Gefühl, man weiß wer wir sind und wir gehören ein bisschen dazu. Wenn der Bügler weiß, wohin er die Hemden liefern muss und der Mann für Homedelivery im Supermarkt nicht mehr nach der Adresse fragt und die Wagenwäscher an der Misr- Tankstelle winken, wenn ich vorbei fahre, dann ist man ein bisschen integriert. Das vermisse ich hier in Maadi sehr.
Unsere Erfahrungen mit dem Gesundheitswesen beschränken sich bisher auf Kieferorthopäden und Internisten. Es gibt gut ausgebildete Ärzte in Kairo, aber nicht in der Dichte, wie in Deutschland. Man muss eine Weile suchen und zahlt dann durchaus deutsche Preise. Ärzte werden immer cash bezahlt. Eine Krankenversicherung gibt es nicht in der form, wie wir es von Deutschland gewöhnt sind. In der Summe ist das erheblich billiger, als die deutsche Krankenversicherung. Hausbesuche sind Standard. Der Arzt kommt ins Haus und nicht der Patient zum Arzt. Wir haben eine sehr erfahrene Internistin, die unsere Lungenprobleme betreut und kuriert. Gegen die unglaublich schlechte Luft in Kairo hat auch sie leider kein Gegenmittel
Dass sich bei mir und Anni ein Dauerhusten festgesetzt hat, den wir nicht los werden, beunruhigt mich. Wir werden im Sommer in Deutschland in jedem Fall unsere Lungen untersuchen lassen.
Lästig ist auch die ständige Abgeschlagenheit. Ich habe den Eindruck, dass sich der körper nicht ausreichend regenerieren kann. Wenn wir Morgens um 6:00Uhr aufstehen, sind wir schon ko. Acht Stunden Schule und 1,5Stunden Stadtverkehr zehren die letzten Energien aus uns. Alles, was man in Kairo macht ist anstrengend. Heute Nachmittag waren wir in der 9ten Straße. Das ist in Maadi die Einkaufsmeile für so ziemlich alles. Ich kaufte etwas Werkzeug, ein Billigmobile und wir holten die Anni von einer Freundin ab. Diese zwei Stunden reichen, um völlig erschöpft nach Hause zu kommen.
Das ständige Achten auf die Autos, das permanente Gehupe, die Hitze und die Fremdartigkeit kosten unglaublich viel Kraft. Kairo ist der schlimmste Energiesauger, den ich je erlebt habe.
Die ganz normalen Energiefresser, die man mit Job und drei Kindern hat, addieren sich dazu.
Das schlimmste Defizit ist der Bewegungsmangel. Man kann hier nicht einfach in den nächsten Wald und etwas joggen. Das geht nur in den wahrlich teuren Sportingclubs oder am Nachmittag an der Schule auf dem Sportplatz. Gestern habe ich Laufschuhe gekauft und ich bin wild entschlossen, wieder regelmäßig zu laufen. Nur so ist der Dauerstress abzubauen.