Freitag, 12. März 2010 Ausflug nach Ain Soukhna

 

Nach einer Weile Kairo muss der Mensch raus aus der Stadt, bevor er verrückt wird. Dieser Punkt war Mitte letzter Woche erreicht und wir beschlossen, das Versprechen an die Kinder, in ein Hotel- Resort am roten Meer zu gehen, endlich umzusetzen.

Erster Anlaufpunkt der DEO- Lehrerschaft ist das Hotel-Resort Palmera in Ain Soukhna.

Das war ausgebucht. Fündig wurden wir dann im Hotel-Resort Stella di Mare im gleichen Ort. Das ist etwas teurer, aber wer spricht schon über Geld, dass er nicht hat. Das Zimmer in diesem Etablissement war schnell gebucht und wir machten uns am Freitag gegen 10:00 Uhr auf den Weg nach dem etwa 110km entfernten Ain Soukhna am roten Meer.

Von Kairo nach Ain Soukhna geht eine relativ neue Schnellstraße, die wir für EP 10,- Maut gerne nutzen. Es müssen 300 Höhenmeter überwunden werden. Die unser "Unimi" nur unwillig angeht mit seinen 14,3 kW pro Tonne. Bergauf natürlich. Bergab geht's dann leicht. Die beschauliche Fahrt durch eine öde Steinwüste nimmt ein jähes Ende, als Petras Mobile in ihrer Hosentasche wie wild vibriert und eine mit uns befreundete Lehrerfamilie um dringende Hilfe bittet. Sie stehen auf einem Parkplatz auf halben Weg mit einer Reifenpanne. Die Details bekommt Petra nicht mit, da der Lärmpegel im Unimog bei 90km/h zu hoch ist zum entspannten Telefonieren. Keine fünf Kilometer weiter sehe ich schon von weitem den uns bekannten Geländewagen auf dem Parkplatz stehen. Wir fahren raus und begrüßen uns erst mal. Das Problem ist, dass der Schlüssel vom Schloss des Reserverades nicht zu finden ist. Der wohnt eigentlich im Handschuhfach, ist aber einfach weg. Die Schuld tragen natürlich die restlichen Familienmitglieder. Das könnte von mir sein ;-). Weg ist weg und ich fange an, den DC/AC- Wandler von 12V auf 230V und die kleine Flex mit Trennscheibe auszupacken, um den Bügel des Schlosses aufzutrennen. Das wäre an sich eine leichte Übung, wenn nicht der Imam der Parkplatz- Moschee just in dem Moment mit grausiger Lautstärke pünktlich um 12:15 Uhr das Freitagsgebet mit der Predigt (Chutba) beginnen würde. Das zerrt dann doch ordentlich an meinen Nerven während der Aktion. Der Bügel des ägyptischen Schlosses ist schnell durchtrennt und dem Reifenwechsel stände nichts mehr im Wege, wenn der hydraulische Wagenheber mitspielen würde. Der hat zu wenig Öl und schafft die nötige Höhe nicht. Auch da können wir behilflich sein und so ist der Reifen nach einer halben Stunde gewechselt. Das Ventil des Reifens hat sich grußlos verabschiedet und im Ventilloch ist Leere. Mit dem Ende der Aktion stellt auch zeitgleich der Imam seine Liturgie ein. (Das Gebet in der Moschee wird von einem Imam geleitet, der vor den übrigen Gläubigen an der Gebetsnische (Mihrab) steht. Er rezitiert Koranverse, und seinen Gesten (Verbeugungen, Niederwerfungen) folgen die anderen Beter. Am Freitag zum Mittagsgebet hält er die Predigt (Chutba) )

So schickte Allah in seiner grenzenlosen Güte der Lehrerfamilie schnelle Hilfe. Dass er sich des ungläubigen Unimurr bediente, versteht sich von selbst. Er kennt den Wert seiner Ägyptischen Schäflein, wenn es um die Technik geht. Auf die geistliche Unterstützung des Imans hätte ich allerdings gerne bei dieser Aktion verzichtet, obwohl mir klar ist, dass der Ungläubige bei jeder Gelegenheit missioniert werden muss.

Nach dieser die triste Fahrt auflockernden Einlage geht es zügig weiter nach Ain Sukhna. Der Lärmpegel des Unimog bei 90km/h ist die reine Labsal im Vergleich zum Freitagsgebet mit 120 Dezibel.

Das Hotel- Resort Stella di Mare ist nicht zu verfehlen und wir laufen gegen 13:00 Uhr dort ein.

Vom Haupttor fährt man etwa 5 km durch eine Siedlung halbfertiger Häuser im gehoben Stil mit Garten und Pool. Danach erreicht man die Hotelanlage. Diese besteht aus drei Gebäudekomplexen. Das Stella Grand Hotel, das Stella Golf Hotel und das Stella Sea Club Hotel, wo wir diese Nacht gebucht haben. Parkplätze wurden offensichtlich vergessen bei der Planung. Obwohl die Hotels nicht ausgebucht sind, parken die Autos alles zu, was als Stellfläche zu gebrauchen ist.

Am Eingang zur Hotelanlage müssen wir einen Metall- Detektor passieren. Wir müssen akkurat alles Metallene aus den Hosentaschen separat passieren lassen. Schon beim zweiten Passieren der Schleuse mit unserem Gepäck kümmert es niemanden mehr, dass das Teil wie wild piepst, wenn ich durch laufe.

Wir betreten eine bombastische Rezeption. Das habe ich in Ägypten nicht anders erwartet. Repräsentation ist alles. Das Einchecken geht schnell und professionell und wir beziehen unser Zimmer in einem Bungalow mit vier Einheiten. Dass die Chipkarte zum Türöffnen ganz anders eingeführt werden muss, als der Aufdruck signalisiert, gehört in die Abteilung "arabische Mysterien". Die ganze Anlage ist für ägyptische Verhältnisse auffällig sauber und gepflegt. Innerhalb kürzester Zeit hängen die Kinder im Pool und sind bis zum Abendessen nicht mehr raus zu bringen.

Das Abendessen gibt es in Form eines Buffets. Die Auswahl ist reichlich und man gibt sich große Mühe. Sonst hat das Restaurant den Charme und die Lärmentwicklung einer Studentenmensa an der TU- München. Ein entspanntes Abendessen war auch deshalb nicht möglich, weil ein hündisch unterwürfiger Kellner ständig die leeren Teller abräumte. Mein Besteck musste ich richtig verteidigen. Als wir zwischendurch kurze Zeit alle am Buffet standen, war bei unserer Rückkehr der Tisch blitzeblank abgeräumt und neu gedeckt. Wir hätten ihn beinahe nicht mehr gefunden. Das wäre tragisch gewesen, denn das war der einzige Tisch, der nicht wackelte und den wir vorher mühsam aquiriert hatten.

Deshalb ziehen wir uns bald auf den Balkon unseres Zimmers zurück, nachdem ich aus dem Unimog noch eine Flasche Roten auf das Zimmer geschmuggelt habe. Hier treiben uns bald die Moskitos in die Betten. Die Matratzen sind hart, die Kopfkissen zu dick und die Zudecken unangenehm. Kurz, es war keine erholsame Nacht. Weil keine Moskitogitter an den Fenstern montiert waren, mussten wir bei geschlossenen Fenstern mit einer unzureichenden Klimaanlage schlafen. Wir waren deshalb schon um 8:00 Uhr auf den Beinen und kümmerten uns um das Frühstück. Wieder ein Buffet im Mensa- Ambiente mit unglaublicher Lautstärke und dem unterwürfigen, penetranten Abräumer. Das war weit weniger schmackhaft, als das Abendessen. Ich dachte wehmütig an den rohen Schinken und die ungarische Salami in unserem Kühlschrank zuhause. Der Kaffee war so schlecht, dass sich die Eltern mit einem guten Cappuccino aus der Sailing- Bar gegenüber in eine ruhige Ecke zurück zogen und die Kinder sich in den Pool. Ich erkundete später das Terrain und die Baulichkeiten und fotografierte ein wenig. Mit meinem Sohn spielte ich noch Tischtennis. Leo looste zweimal ab mit 21:10 und 21:12, dann war der Alte außer Puste. Mittags checkten die Eltern aus, wir konnten aber noch bis um 15:00 Uhr am Pool bleiben.

Zum Ägyptischen Brottosozialprodukt haben wir für diese eine Übernachtung mit 1400,- Egypt- Pounds beigetragen. Das sind etwa Euro 187,- Ein stolzer Preis für die diskussionswürdige Gegenleistung.

Bei der Heimfahrt quälte sich der "Unimi" auf die 300 Höhenmeter. Sonst verliefen diese langweiligen Kilometer ereignislos, abgesehen von der verpassten Abfahrt nach Maadi an der Ring Road, was eine halbe Stadtrundfahrt zur Folge hat und einen genervten Vater über unseren Starnavigator.

Fazit dieses Events: Man muss es mögen und über die nötige "Portokasse" verfügen. Für mich ist das nichts und ich ziehe mein "Einemilliardesternehotel" in jeder Hinsicht vor. Na gut, fast in jeder Hinsicht. Abwaschen musste ich dieses Wochenende nicht. ;-)

 

 

Das "Einemilliardesternehotel"

 

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